Jugendhilfe und Schule

Gut die Hälfte der Kolleg_innen bei  pro juventa arbeiten in und mit der Schule. Das ist kein Zufall. Wir wollen nicht nur „Intensivstation“ für wenige Familien mit hohem erzieherischem Bedarf sein, sondern als Gegengewicht auch eine „Ambulanz“ aufzubauen, die Hilfe frühzeitig organisiert und die „Intensivstation“ vermeiden hilft. Diese „Ambulanz“ kann aber nicht irgendwo angesiedelt sein, sie muss genau dorthin, wo sich alle Kinder aufhalten, also an den Bildungsort Schule. Die Schule auch als sozialen und emotionalen Entwicklungsraum gestalten - da wollen wir unbedingt dabei sein.

Gesellschaftliche Vielfalt, neue Medien, Inklusion, der Wandel der Schulformen, Ganztag und individuelles Lernen verändern die Lernwelt. Schulpädagogik und Sozialpädagogik begegnen sich und es wächst das Verständnis, das wir aufeinander angewiesen sind.

In der Schulsozialarbeit und der Schülerbetreuung sind wir für alle Schüler_innen da, Soziale Gruppen an der Schule und Schulbegleitung sind inklusive Erziehungshilfen, die an der Schule für Kinder und Eltern besonders zugänglich sind.

 

Schulsozialarbeit

Seit 1998 sind wir Träger der Schulsozialarbeit. Die inhaltlichen Schwerpunkte variieren je nach örtlichem Bedarf und Schultyp. Schulsozialarbeit richtet sich mit Klassenprojekten, Gruppenangeboten und einem offenen Bereich an alle Klassenstufen. Durch Beratung und Begleitung von Schüler_innen, Eltern und Lehrer_innen werden Konflikte und Notsituationen gezielt bearbeitet. Über Gemeinwesenarbeit und Kooperation mit dem Jugendamt, der Jugendhilfe und anderen Hilfs- und Förderangeboten wird ein Netzwerk für die Schule, die Schüler_innen und ihre Eltern aufgebaut und aktiviert.

Soziale Gruppen an Schulen

Die Gruppen an der Uhlandschule (SBBZ) in Pfullingen und an der Uhlandschule Lichtenstein sind Erziehungshilfe, also ein Angebot für einen besonderen Bedarf, und gleichzeitig selbstverständlicher Teil der Schule. Das ist bedeutsam, da diese Gruppen nicht als „Nachsitzen“ erlebt werden, weil die „Hausaufgaben“  im sozialen Benimm nicht gemacht wurden, sondern als attraktives Angebot der beiden Teams. Damit können für die Soziale Gruppe auch Eltern und Schüler_innen gewonnen werden, die befürchten, dass man „mit dem Finger auf sie zeigt“, weil sie anecken und auffallen. Chillen auf der Halfpipe, Kräftemessen, Erfrischung im Arbach, Kochen und Essen, Besuch auf dem Bauernhof oder ein Workshop „Pferdeflüstern“ in Bleichstetten, der durch die Firma Bonduelle ermöglicht wurde, sind kleine Highlights, bei denen ganz beiläufig der Blick für die anderen und die Belange der Gruppe geschärft wird. Soziale Gruppe macht Spaß! Gleichzeitig ist es ein Lernweg hin zum Ziel, nach und nach dazuzugehören, Freunde zu finden und Wissen zu erwerben.

Schulbegleitung

Die Arbeit der ca. 70 Schulbegleiter_innen an ca. 40 Schulen umfasst die Begleitung von Schülern während des Unterrichts, in den Pausen oder in Ausnahmefällen auch auf den Schulwegen. Zielgruppe sind vor allem Kinder und Jugendliche mit diagnostizierter Autismus-Spektrum-Störung, deren Eltern einen Anspruch auf erzieherische Hilfe nach § 35a SGB VIII haben. Die Schulbegleitung als inklusive Hilfeform soll die Schüler befähigen, trotz ihrer Beeinträchtigung am Unterricht teilzunehmen.

 
 
 

Schülerbetreuung

Das Team der Schülerbetreuung an der Achalmschule in Eningen unter Achalm ergänzt die Ganztagesschule um die Frühbetreuung, das „Mittagsband“ mit Mittagessen in der Mensa und die Zeit nach 15:30 Uhr bis 17:00 Uhr. Am Donnerstag ist Großeinsatz bei bis zu 200 Schüler_innen der Klassenstufen 1 – 4. Im Kooperationsdreieck Schülerbetreuung, Schule und Schulsozialarbeit geht bei den Übergaben niemand verloren, alle versuchen, den Kindern Spaß an Spiel und Bewegung und einen geordneten Ablauf zu ermöglichen, auch den Erstklässlern, die am Ende eines langen Tages manchmal etwas abgekämpft wirken.

Das Team muss sich sehr flexibel auf den Bedarf einstellen, am Donnerstag sind alle sechs Kolleg-innen im Einsatz, zu manchen Zeiten nur zwei. Die neu eröffneten Räume sind schön und gut ausgestattet, platzen aber am Donnerstag bereits „aus allen Nähten“, ganz besonders an Regentagen, wenn der Schulhof nicht genutzt werden kann. Deshalb hat die Schule zusätzliche Räume zur Verfügung gestellt. Manchmal hat der Erfolg eben nicht nur Vorteile. Zwischen 2015 und 2017 sind die Anmeldungen im Mittagsband zwischen 12.00 Und 14:00 Uhr je nach Wochentag zwischen 45% und 98% gestiegen.

Gewaltprävention

Unser Projektbereich „Achtung Gewaltfrei!“ setzt sich für demokratische Konfliktlösungen ohne Gewalt ein. An verschiedenen Schulen bieten eine Antigewalt-Trainerin und ein Antigewalt-Trainer Coolnesstraining oder Antigewalt-Seminare an. Projektpartner ist vor allem die Schulsozialarbeit. Die ein- oder zweitägigen Kurse werden getrennt für Mädchen und Jungen einer Klassenstufe angeboten.

 

Das Projekt „Achtung Männer! – Achtung Jungs!“ ist am Friedrich-Schiller-Gymnasium (FSG) in Pfullingen verortet und wird jährlich neu im Rahmen von STÄRKE ausgeschrieben. Projektverantwortlicher ist der Schulsozialarbeiter. „Achtung Männer! – Achtung Jungs!“ richtet sich auch über das FSG hinaus an Väter, die mit ihren Söhnen (10-14 Jahre) eine kleine Expedition mit Biwak-Lager unternehmen. Eine Orientierungstour zum Übernachtungsplatz bei einer Hütte auf der Schwäbischen Alb, Teamaktion Biwakbau, Verpflegung am Lagerfeuer, Außenübernachtung im Biwak, Trapperfrühstück im Wald sind die „Zutaten“ zu diesem kleinen Abenteuer, das Väter und Söhne einander näherbringen soll. Über die sinnlich erfahrbare Auseinandersetzung mit männlicher Kraft, Bewegungsfreude und Abenteuerlust sollen kraftvolle und doch gewaltfreie männliche Identifikationsmöglichkeiten geschaffen werden. Das Lagerfeuer ist der richtige Ort für Gespräche unter Männern.